Prüfungsangst im Studium ist ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Studierende belastet. Die Angst vor Klausuren und Prüfungen kann dazu führen, dass man sich blockiert fühlt, es schwer fällt, konzentriert zu lernen und in der Freizeit nicht mehr abschalten kann. Oft werden die Studierende hiermit alleine gelassen. In manchen Studiengängen ist es sogar üblich, über solche Prüfungsängste zu schweigen und eine Fassade des bzw. der idealen Student:in aufrechtzuerhalten. Prüfungsangst im Studium kann für viele Studierende eine große Hürde darstellen und ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Die Angst vor dem Versagen, hohe Erwartungen oder auch Selbstzweifel können dazu führen, dass Studierende sich während Prüfungen blockiert fühlen und nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen können. Vielleicht erkennst du dich in dieser Situation bereits wieder. Wenn ja, dann brauchst du nicht zu verzweifeln. So wie dir ging es auch mir im Studium. Ich habe mich viel mit Ängsten auseinandergesetzt und stelle dir heute eine Technik vor, die dir helfen wird, mit deiner Prüfungsangst im Studium gesund umzugehen.
Ein einfacher Trick, der die Prüfungsangst verpuffen lässt?
Es gibt Möglichkeiten, die Angst vor Prüfungen zu überwinden und entspannter durch das Studium zu kommen. Prüfungsangst entsteht oft durch eine Mischung aus verschiedenen Faktoren. Insbesondere die innere Einstellungen und Glaubenssätze spielen eine Rolle, die durch äußere Einflüsse wie Leistungsdruck und Erwartungen anderer befeuert werden. Der Leistungsdruck kann von außen kommen, beispielsweise durch hohe Erwartungen von Eltern, Dozenten oder der Gesellschaft, aber auch von innen, durch den eigenen Anspruch, stets perfekt sein zu wollen. Viele Studierende setzen sich selbst unter einen enormen Druck, weil sie das Gefühl haben, ihre Selbstwertgefühle und ihre Zukunftschancen hingen von ihrem akademischen Erfolg ab. Ein weiterer wesentlicher Faktor sind negative Erfahrungen in der Vergangenheit. Wer bereits in der Vergangenheit Misserfolge oder peinliche Situationen in Prüfungen erlebt hat, kann diese Erlebnisse tief in seinem Gedächtnis verankert haben. Diese negativen Erfahrungen können dazu führen, dass zukünftige Prüfungen mit Angst und Stress assoziiert werden, was wiederum die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann. Auch das Gefühl, unzureichend vorbereitet zu sein, spielen eine große Rolle bei der Entstehung von Prüfungsangst. Wenn Studierende das Gefühl haben, den Stoff nicht ausreichend verstanden zu haben oder nicht genug Zeit zum Lernen gehabt zu haben, kann dies zu Unsicherheit und Angst führen. Diese Unsicherheit kann sich während der Prüfung verstärken und zu Blackouts oder Panikattacken führen. Insbesondere in Studiengängen wie dem Jurastudium ist das eine häufige Ursache für Prüfungsangst. In solchen Fächern gibt es nie ein „jetzt bin ich fertig“, da die Stoffmenge unendlich ist. Die Zeit für die Vorbereitung auf die Prüfung ist dabei knapp bemessen. Gerade diese Quelle für Ängste, lässt sich nicht im Außen ändern. Schließlich ist das Studium leider so aufgebaut, dass die Stoffmenge enorm und die Zeit knapp ist. Deshalb möchte ich dir heute eine Technik vorstellen, die darauf abzielt mit Prüfungsangst umzugehen, wenn du den Druck im Außen nicht verändern kannst.
Wichtig ist auch dir bewusst zu machen, dass Prüfungsangst kein oberflächliches Thema ist, welches sich mit einer magischen Technik, die schnell und einfach zu erlernen ist, wegzaubern lässt. Ich möchte dir aber hier bewusst gerade einen einfachen Handgriff mitgeben, der deine Lebensqualität im Studium enorm verbessern kann und dir hilft mit deiner Prüfungsangst entspannt zu leben. Ich selbst habe diese Technik mehrfach angewendet und kann sie dir von Herzen empfehlen. Vergiss aber nicht, dass Ängste oft aus Mustern resultieren, die du dir im Laufe deines Lebens antrainiert hast und die zur Gewohnheit geworden sind. Das bedeutet, dass du geduldig mit dir sein darfst. Setz dich nicht unter Druck, dass es sofort immer klappen muss. Sieh es lieber als Wachstum eines Baumes, der in Zukunft schöne Früchte tragen wird, die du zwar heute vielleicht nicht unbedingt sehen kannst, aber darauf vertrauen kannst, dass sie wachsen werden.
Hintergründe deiner Prüfungsangst
Es ist wichtig, dass du dir deine Prüfungsangst bewusst machst. Sie einfach „weghaben zu wollen“ wird dich nicht weiterbringen. Du musst ihr in die Augen sehen und sie akzeptieren. Denn von heute auf morgen wird sie nicht verschwinden. Du brauchst dich auch nicht über sie zu ärgern. Denn so absurd es im ersten Moment auch klingt, aber die Angst ist für dich da. Sie hat evolutionärbedingt einen Grund. Auch, wenn wir sie heute nicht so dringend benötigen wie in der Frühzeit der Menschheitsgeschichte, so versucht dich deine Angst nur zu schützen.
Dein Körper kann gut mit deiner Angst umgehen. Er hat die Fähigkeit, um die Emotion auf natürliche Weise abfließen zu lassen. Du musst diese nur zulassen. Interessanterweise, bleibt eine Emotion wie Angst bei natürlichem Umgang mit ihr, gerade mal 90 bis 120 Sekunden in deinem Körper und fließt anschließend wieder ab. Natürlich kann sie auch wieder auftreten, doch sie fließt anschließend erneut ab. Die Emotion selbst bleibt nicht lange in deinem Körper. Vorausgesetzt du hältst sie nicht künstlich am Leben.
Hältst du allerdings künstlich an der Angst fest, indem du sie „weghaben“ möchtest, also gegen sie ankämpfst oder grübelst, dann bleibt die Emotion länger in deinem System. Oft wollen Menschen die Angst nicht zulassen, weil sie sich unangenehm anfühlt oder weil sie Angst vor der Angst selbst haben. Gemeint ist die Angst vor den körperlichen Angstreaktionen. Hier darfst du dir aber bewusst machen, dass diese völlig natürlich und sicher sind.
Wenn du deine Angst künstlich aufrecht erhältst, wirst du zu Strategien greifen, die deine Prüfungsangst schüren, statt sie lindern. Die natürliche Reaktion eines Menschen auf eine Angstsituation ist Flucht oder Kampf, weil sich unser Angstzentrum seit der Frühzeit nicht verändert hat. Damals stand jedoch nicht die nächste Klausur bevor, sondern ein gefährliches Tier, welches den Menschen töten konnte. Aus diesem Grund reagiert dein Körper noch so, als bestehe eine Lebensgefahr.
Wie erläutert, gehört der Widerstand gegen die Emotion zum Kampf. Möglich ist aber auch, dass du dich Situationen entziehst, die mit Angst verbunden sind. Vielleicht meldest du dich nicht freiwillig für eine Simulation einer Prüfung, obwohl sie dich weiterbringen würde oder du überlässt das Reden bei einem Projekt lieber der Kommilitonin. Diese Vermeidungsstrategie führt dazu, dass dein Angstzentrum lernt, die Angst war begründet. Folglich schlägt es beim nächsten Mal noch lauter Alarm und deine Komfortzone wird immer kleiner. Somit auch deine Prüfungsangst.
Eine Übung, die dir helfen wird
Folgende Übung, die ich dir vorstelle kannst du jederzeit anwenden, da sie von außen nicht ersichtlich ist. Nach einiger Zeit wird sie zur Gewohnheit und du wirst bemerken, wie entspannter du mit deiner Prüfungsangst umgehst. Dieser Trick klingt zwar banal, ist jedoch äußerst wirkungsvoll. Du hast bereits erfahren, dass es wichtig ist, die Angst zuzulassen.
Das nächste Mal, wenn du Angstsymptome wie Zittern, Herzschlagen oder Schweißt ausbrüche bekommst, kämpfst du nicht dagegen an. Sag dir: „Es ist okay. Ich darf mich so fühlen. Mein Köper hat alles, um damit gesund umgehen zu können. Ja, es ist unangenehm, aber das ist in Ordnung.“ Insbesondere der kleine Gedanke „es ist okay“, ist bereits sehr hilfreich.
Das war es schon? Vielleicht bist du jetzt etwas verdutzt oder enttäuscht. Aber du darfst mir hier wirklich vertrauen. Nimm dir vor das nächste Mal bei Angstgedanken dieses Mantra aufzusagen. Vermeide es, der Angst mit Widerstand zu bekämpfen.
Warum es wirkt
Um dich etwas zu motivieren, diese Übung auszuprobieren und umzusetzen, möchte ich dir eine Harvard-Studie vorstellen. Dort wurden Studierende in zwei Gruppen aufgeteilt, um den Umgang mit Prüfungsangst zu erforschen. Eine dieser Gruppen sollte die Prüfung wie gewohnt schreiben. Der anderen wurde erzählt, dass das was sie in ihrem Körper erleben für sie da sei. Ihnen wurde also vermittelt, dass alle Angstsymptome sie beschützen wollten und nicht gegen sie wirkten. Sie erläuterten den positiven Zweck der Angst, wie beispielsweise die Steigerung der Leistungsfähigkeit und der Denkfähigkeit. Die zweite Gruppe erzielte anschließend ein viel besseres Ergebnis.
Viel Erfolg für dein Studium!
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