Allgemein, slow living

Slow Living? Die Antwort auf ein stressfreies Leben?

In a world that’s speeding up, slow living is an act of rebellion.“ – Carl Honoré

In einer Welt, die von ständigem Tun und Erreichen geprägt ist, scheint es immer schwieriger zu werden, zur Ruhe zu kommen. Das Konzept von Slow Living (auf deutsch „langsam leben“) wird zunehmend populär – ein Lebensstil, der Entschleunigung, Achtsamkeit und den Fokus auf das Wesentliche betont. Vielleicht hast du dich mit diesem Thema schon näher auseinandergesetzt, vielleicht hast du diesen Begriff auch nur am Rande wahrgenommen. Ich selbst liebe es Videos von Slow-Living-Influencern anzusehen, denn sie erden mich nach einem stressigen Alltag und strahlen meist so eine Ruhe aus, dass es sich beinahe wie eine Meditation anfühlt. Doch muss man ein entschleunigtes Leben führen, um glücklich zu sein?

Wer sich auf den Weg der Persönlichkeitsentwicklung macht, stößt oft auf die Frustration, dass viele Ratschläge in der eigenen Realität schwer umsetzbar sind. Man merkt, dass man einen Alltag nicht nur slow erlebt, sondern bei aller Mühe oft gehetzt ist. Sei es, weil einige Anforderungen im Job oder im Studium dies verlangen oder man am Morgen verschlafen hat.

Doch heißt slow living, dass es immer slow sein muss?

Slow Living ist ein Lebensstil, der bewusst auf Entschleunigung setzt und den Fokus auf das Hier und Jetzt legt. Es geht darum, den hektischen Alltag hinter sich zu lassen und den Moment zu genießen, statt sich ständig von äußeren Erwartungen oder der Jagd nach Erfolg treiben zu lassen. Slow Living bedeutet nicht, immer langsam zu leben, sondern vielmehr, achtsam und reflektiert zu handeln. Es geht darum, sich bewusst Zeit für Dinge zu nehmen, die einem gut tun – sei es durch kreative Pausen, das Verbringen von Zeit in der Natur oder das Pflegen von Beziehungen. Slow Living fordert uns heraus, die Balance zwischen Arbeit, Ruhe und persönlichem Wachstum zu finden und uns von der ständigen Ablenkung und Hektik zu befreien. Es ist ein Weg, der auf mehr innerer Zufriedenheit und einem tiefen Gefühl der Verbundenheit basiert.

Auf das Studium bezogen bedeutet Slow Living, den Druck und die Hektik des akademischen Lebens bewusst zu entschleunigen und sich auf eine nachhaltige und achtsame Lernweise zu konzentrieren. Es geht darum, sich nicht in endlosen To-do-Listen und ständiger Vergleicherei zu verlieren, sondern das Studium als einen Prozess des Wachstums und der Entfaltung zu erleben. Statt ständig auf der gehetzten Jagd nach den besten Noten oder der nächsten Leistung zu sein, fördert Slow Living eine Balance zwischen konzentriertem Arbeiten und erholsamen Pausen. Es bedeutet auch, sich selbst die Zeit zu geben, um zu reflektieren, wie man lernt, was einem wirklich liegt und Freude bereitet und welche Methoden einem helfen, authentisch und nachhaltig zu wachsen. Slow Living im Studium fordert eine bewusste Entscheidung für weniger Stress und mehr Achtsamkeit – sowohl im Umgang mit dem eigenen Lerntempo als auch mit den eigenen Erwartungen und Zielen.

Slow Living bedeutet nicht, einfach nur langsam zu leben oder sich in völliger Passivität zu verlieren. Es geht nicht darum, alle Verpflichtungen und Ziele zu ignorieren oder sich dem Gedanken hinzugeben, dass man in allen Bereichen des Lebens nur „weniger“ machen sollte. Slow Living ist kein Ausweg vor Verantwortung oder der Vermeidung von Herausforderungen, sondern vielmehr eine bewusste Entscheidung, wie man mit der eigenen Zeit und Energie umgeht. Es bedeutet nicht, sich vor Arbeit oder Anstrengung zu drücken, sondern den Fokus darauf zu legen, achtsamer und mit mehr Intention zu handeln, ohne sich in ständiger Eile oder Überforderung zu verlieren. Slow Living ist auch nicht das Verharren in Langeweile oder das Vermeiden von Aktivitäten, die für persönliches Wachstum notwendig sind. Es ist vielmehr ein ausgewogenes Leben, das Tempo und Ruhe miteinander verbindet.

Zum Slow living gehört also auch die schnelle Energie, das Tempo.

Stress und Hustling: nicht per se schlecht, wenn die Balance stimmt

In unserer modernen Welt sind wir oft dazu verleitet, ständig produktiv zu sein, immer einen Plan zu haben und uns nach der nächsten „Erfüllung“ zu strecken. Doch das bedeutet nicht, dass Stress und ein gewisses Maß an Hustling schlecht sind. In diesem Beitrag spreche ich mehr über guten und schlechten Stress.

Manchmal braucht es einfach eine Phase, in der man mit voller Energie an einem Projekt arbeitet, Deadlines einhält oder ambitionierte Ziele verfolgt. Dieser Fokus kann zu unglaublichen Ergebnissen führen und uns dabei helfen, uns selbst besser kennenzulernen.

Doch genau das ist der Punkt: Es ist entscheidend, regelmäßig zu reflektieren, welche Energie uns gut tut. Eine Phase intensiven Arbeitens darf nicht zu einer Daueranstrengung werden, ohne Raum für Erholung oder kreative Pausen zu lassen. Langfristig führt das sonst zu Erschöpfung, Burnout und einem Gefühl von Unzufriedenheit.

Reflexion als Schlüssel – Welche Energie tut dir gerade gut?

Indem wir regelmäßig reflektieren, welche Art von Energie uns gerade am meisten auflädt, können wir achtsam und bewusst Entscheidungen treffen, wie wir unseren Alltag gestalten wollen. Für manche Arbeiten benötigen wir ein schnelles Tempo und viel Energie. Das ist auch in Ordnung und steht meines Erachtens einem slow living Lifestyle nicht im Weg. Wichtig ist, dass wir regelmäßig reflektieren, ob wir gerade die richtige Energie verwenden.

Reflektiere also regelmäßig, ob du gerade in dem Tempo arbeitest, welches du benötigt und dir gut tut. Es gibt auch Phasen, in welchen wir merken, dass wir gerade zu sehr hetzen, es aber nicht ändern können. Gib dir dann die Möglichkeit einer kleinen Pause, sei es auch nur durch eine dreiminütige Atempause. Schaffe dir selbst einen Ausgleich zur gehetzten Aktivität.

Umsetzungsaufgabe

Such dir einen Zeitpunkt aus oder eine Tätigkeit, an welche du die folgende Reflexion anknüpfst:

  • Wie fühle ich mich gerade?
  • In welchem Tempo arbeite ich gerade? Ist dieses angemessen oder wäre ein anderes besser?
  • Lass ich mich gerade stressen? Wenn ja, ist es notwendig?

Beispiel: Immer, wenn du dir deinen Kaffee holst, stellst du dir die Fragen und passt dein Handeln daran an.

Achtsamkeit und Dopamin-Detox

Entscheidend ist also nicht ständig „langsam“ zu leben, sondern in Balance zu leben. Ein Aspekt ist für mich jedoch entscheidend, weshalb ich dir ihn hier unbedingt vorstellen möchte: nämlich das Thema „cheap dopamine“. Dieses habe ich in diesem Beitrag vertieft erläutert.

Um die Balance von Slow Living wirklich zu leben, ist es wichtig, uns von den „billigen“ Dopaminquellen zu befreien – wie ständiges Checken von E-Mails (hier kann ich mir selbst an die Nase fassen) oder dem Scrollen durch Social Media. Diese Gewohnheiten können uns kurzfristig mit einem schnellen Kick versorgen, aber langfristig führen sie zu einem Gefühl der Leere und Antriebslosigkeit.

Ein Cheap-Dopamin-Detox kann wahre Wunder wirken. Setze dir bewusst Zeiten, in denen du dein Handy aus der Hand legst, E-Mails nicht nach jeder neuen Benachrichtigung checkst und Social Media hinter dir lässt. Diese kleinen Auszeiten geben dir den Raum, die Welt um dich herum wirklich zu erleben und dich auf das Wesentliche zu konzentrieren – auf dich selbst und das, was dir wirklich gut tut. In meinem Beitrag über Cheap-Dopamine, habe ich dir meine besten Tipps zusammengestellt, um dauerhaft besser mit billigem Dopamine umgehen zu können.

Fazit

Slow Living ist mehr als nur ein Trend – es ist eine Einladung, das Leben achtsamer und ausgewogener zu gestalten. Es geht nicht darum, ständig „langsam“ zu leben oder alles aufzugeben, was uns voranbringt. Vielmehr ist es ein Aufruf, regelmäßig innezuhalten, den eigenen Rhythmus zu finden und zu reflektieren, welche Energie uns in verschiedenen Phasen des Lebens wirklich gut tut. Das Studium, genauso wie der Alltag, bietet viele Momente der Hektik und des Stresses – und auch diese sind in Ordnung, solange wir sie bewusst in Balance mit Ruhe, Kreativität und Pausen setzen. Letztlich bedeutet Slow Living, die Kontrolle über unser Leben zurückzuerlangen und uns von den ständigen Ablenkungen zu befreien, die uns nur kurzfristige Dopamin-Kicks liefern. Stattdessen sollten wir den Wert der Langsamkeit, der Langeweile und der Reflexion erkennen – als Quelle für Kreativität, Innovation und nachhaltige Zufriedenheit.



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